Über die gefallsüchtige Kammerzofe

Jede richtige Burg muss ihr eigenes Gespenst haben. Pernsteiner Gespenst ist ein hübsches junges Mädchen mit langem flatterndem Haar und einem Kamm.

Es lebte einmal auf der Pernstein eine ungewöhnlich hübsche Kammerzofe Namens Eliška. Sie war sich ihrer Schönheit bewusst und deshalb pflegte sie sich auch sorgfältig. Vor allem die Haarpflege nahm immer mehr Zeit in Anspruch. Die verbrachte sie vor einem kleinen Spiegel in ihrer Kammer. Für ihre Gefallsucht vergas sie langsam ihre Pflichten, einschließlich der Gottesdienste. Der Priester duldete zuerst ihre Vergesslichkeit, vor allem für ihre Jugend. Aber ihre Abwesenheit in den Gottesdiensten war immer häufiger. Er fing an sich dafür mehr zu interessieren, was die junge Kammerzofe macht, statt zu Gott zu beten. Er besuchte Eliška in ihrer Kammer und wunderte sich. Die hübsche Kammerzofe saß vor dem Spiegel und kämmte sich die Haare. Der Priester geriet in Wut, packte das arme Mädchen am Haar. Eliška kreischte und sah den Priester erschrocken an. Er hielt ihr vor, nicht genug zu beten, sie sollte Herrn Gott um Vergebung ihrer Gefallsucht bitten.

Die hübsche Kammerzofe war nicht nur gefallsüchtig, aber auch ziemlich frech. Sie antwortete dem Priester in einem scharfen Ton, dass sie am besten weiß, wo ihr Glück liegt, und dass sie überhaupt nicht denkt, dass es in der Burgkapelle ist. Der schon genug verärgerte Priester erhob die Stimme und mit dem Kreuz in der Hand drohte er Eliška, dass ihre Seele keine Ruhe findet, die ihr im Reich Gottes gewährt würde. Eliška lachte ihn aus und widmete sich weiter ihrem schönen Haar und dem Spiegel.

Gottes Gerechtigkeit zeigte aber ihre Macht, es gab einen lauten Krach und die Kammerzofe verschwand spurlos auch mit ihrem Kamm. Seitdem irrt Eliškas Geist in der Burg umher. Bis heute wird sie ab und zu von jemand gesehen, wie sie sich gefallsüchtig ihr Haar kämmt.

Jener Spiegel befindet sich in dem Raum, den Eliška bewohnte, bis heute. Mit ihm ist sogar eine Sage verbunden. Wenn man sich in dem Spiegel anschaut, verliert man in einem Jahr und einem Tag seine Schönheit. Falls Ihnen aus Versehen so etwas passiert, verzagen Sie nicht und besuchen Sie das Schloss in Boskovice. Dort soll es einen Spiegel mit umgekehrter Wirkung geben.

An die ganze Legende über Eliška erinnert noch das treffende in jenem Raum plazierte Bild. Dort sind der zornentbrannte Mönch und das hübsche langhaarige Mädchen abgebildet, das sich sein langes Haar kämmt und verängstigt den heiligen Mann anschaut. Ist diese Legende wahr? Das kann man nur auf eine Art feststellen – den Eliškas Geist treffen.